Wie entsteht das Neue,
wo und unter welchen Bedingungen? Inwiefern unterscheiden sich Innovations-Strategien
in den Natur- und den Geisteswissenschaften? Wie könnte ein Setting
aussehen um Neues hervorzubringen? Wann werden Inventionen zu Innovationen?
Mit solchen und ähnlichen Fragen setzen sich die Studierenden
des Studiengangs »Design | Art & Innovation« (Master
of Advanced Studies) an der Hochschule für Gestaltung und Kunst
in Basel auseinander. Hier werden alle zwei Jahre circa 25 berufserfahrene
Bewerberinnen und Bewerber mit Hochschulabschluss, nach einem erfolgreich
absolvierten Aufnahmegespräch, zum Studium zugelassen. Sie sind
Künstler, Designer, Architekten, aber auch Kultur- und Wirtschaftswissenschaftler.
In dem fünfsemestrigen Aufbaustudiengang erwerben sie Kompetenzen
für einen reflektierenden/forschenden Zugriff auf die Schnittstellen
zwischen Kunst, Design, Kulturwissenschaften und Ökonomie. Dabei
geht es zum einen um das Erkennen und Analysieren der Potenziale von
Kreativität und Innovation an diesen Schnittstellen und den Übergängen
der jeweils eigenen Disziplin zu Nachbardisziplinen. Und zum anderen
um die Fähigkeit entsprechende »Settings« zur Innovation
selbständig zu entwickeln und anzuwenden. In den Modulen Kunst
+ Design; Kultur + Medien; Forschung, Methoden + Innovation; Projekt
+ Transfer, Management + Wirtschaftsästhetik, in verschiedenen
Workshops und dem Studienpool werden diese Fähigkeiten zur Innovationsförderung
entwickelt.
Die Inhalte im Überblick
Kunst + Design: Epochen- und Paradigmenwechsel
in der Kunst-, Design- und Architekturgeschichte. Künstlertheorien,
Avantgardekonzepte und Diskurse des Neuen und der Innovation in Kunst
und Design. Bedeutungsproduktion in Kunst und Design zwischen Artefakten
und Diskursen. Reflektieren der Übergänge von Praxis zu Theorie
und zurück in Kunst und Design, mit Blick auf die Produktion von
Bedeutung und Innovation. Kultur + Medien: Die Konstitution neuer Disziplinen
am Beispiel der »Cultural and Media Studies«. Mediengeschichte
als visuelle Kulturgeschichte des 19. und 20. Jh. und ihr Zusammenhang
mit der Medienrevolutionen als Innovationsindikator: Fotografie, 19
Film, TV, Video und Computer. Reflektieren der Bedeutung von Medien
als Orte der Repräsentation kultureller Identitäten und der
Erscheinungen des »Neuen« und der Innovation in Kunst und
Design.
Forschung: Vergleichende Untersuchung der Theorien, Methoden und Praktiken
von Forschung in den Natur- und Kulturwissenschaften sowie des sich
formierenden Forschungsfeldes in Kunst und Design. Vergleichende Betrachtung
der Bedeutung (Konstruktion der Bedeutung) von Kreativität, Kontingenz
und Strategie in den Forschungsprozessen der Natur- und Kulturwissenschaften.
Transferieren des methodologischen Wissens aus den Natur- und Kulturwissenschaften
auf Forschungsprozesse in den Bereichen des Design und der Kunst und
umgekehrte Versuchsanordnungen.
Innovation: Grundbegriffe und Konzepte von Innovation und Innovationsforschung.
Dynamiken und Strategien der Innovation in Wissenschaft, Wirtschaft
und Gesellschaft. Untersuchung von Kunst und Design als Bereiche gesellschaftlicher
Innovation. Management: Einführung in das Kulturmanagement; Kulturmarketing,
Projektmanagement und Business Planung für kreativ Arbeitende.
Wirtschaftsästhetik: Öffnen der Schnittstelle von Kunst und
Wirtschaft durch eine vergleichende Analyse des Wirtschafts- und Kunstsystems.
Anwendung künstlerisch/gestalterischer Forschungs- und Repräsentationsmethoden
in Wirtschaftsunternehmen, bspw. hinsichtlich des Phänomens »Organisationskultur«.
Kommunikation: Corporate- und Brand-Identity im Design- und Kunstbereich.
Kunst und Design als Kommunikationsprozess: Objekte, Texte, Zielgruppen
und Medien. Projekt + Transfer: Transfer von Studieninhalten in die
künstlerische bzw. berufliche Praxis der Studierenden. Projektfindungsprozess
für die Diplomarbeit. Medien des Transfers: Text und Bild Verhältnis,
Visual Essay u.a. Präsentationsformen.
Extras
Ergänzend zu
den Modulen bietet der Studienpool die Möglichkeit, je nach Zusammensetzung
und Interessen der Studiengruppe, diejenigen Inhalte, die von gemeinsamem
Interesse sind, vertiefen zu können. Im 4. und 5. Semester werden
dann in einem interdisziplinär angelegten Master-Projekt die im
Studium erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse mit Bezug auf die
eigene Berufspraxis umgesetzt. Es handelt sich hierbei um Projekte,
in denen gestalterische, künstlerische/kuratorische Arbeiten -
mit Modellcharakter - entweder selbst hergestellt oder als Beispiele
herangezogen werden, um forschungs- bzw. innovationsrelevante Methoden/Prozesse
zu erproben und (in einem umfangreicheren Text) zu reflektieren.
Im Gegensatz zur deutschen Massenuniversität steht am Studiengang »Design
| Art & Innovation« zwei Studierenden durchschnittlich ein
Mentor zur Seite. Dieses Betreuungsverhältnis ist luxuriös
für die Studierenden, es macht sich jedoch auch in der Höhe
der Studiengebühren (circa € 12 000.-) bemerkbar. Bemerkenswert
ist ebenfalls, dass die Basler Hochschule ein eigenes Forschungsinstitut
unterhält (»Institut Design und Kunstforschung«),
mit dem der Studiengang auf dem Gebiet der künstlerischen Forschung
zusammenarbeitet.
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