Literatur Links Kontakt Home

Design|Art & Innovation. Das Studium zur Kreativwirtschaft

Martin Tröndle


Wie entsteht das Neue, wo und unter welchen Bedingungen? Inwiefern unterscheiden sich Innovations-Strategien in den Natur- und den Geisteswissenschaften? Wie könnte ein Setting aussehen um Neues hervorzubringen? Wann werden Inventionen zu Innovationen? Mit solchen und ähnlichen Fragen setzen sich die Studierenden des Studiengangs »Design | Art & Innovation« (Master of Advanced Studies) an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel auseinander. Hier werden alle zwei Jahre circa 25 berufserfahrene Bewerberinnen und Bewerber mit Hochschulabschluss, nach einem erfolgreich absolvierten Aufnahmegespräch, zum Studium zugelassen. Sie sind Künstler, Designer, Architekten, aber auch Kultur- und Wirtschaftswissenschaftler. In dem fünfsemestrigen Aufbaustudiengang erwerben sie Kompetenzen für einen reflektierenden/forschenden Zugriff auf die Schnittstellen zwischen Kunst, Design, Kulturwissenschaften und Ökonomie. Dabei geht es zum einen um das Erkennen und Analysieren der Potenziale von Kreativität und Innovation an diesen Schnittstellen und den Übergängen der jeweils eigenen Disziplin zu Nachbardisziplinen. Und zum anderen um die Fähigkeit entsprechende »Settings« zur Innovation selbständig zu entwickeln und anzuwenden. In den Modulen Kunst + Design; Kultur + Medien; Forschung, Methoden + Innovation; Projekt + Transfer, Management + Wirtschaftsästhetik, in verschiedenen Workshops und dem Studienpool werden diese Fähigkeiten zur Innovationsförderung entwickelt.

Die Inhalte im Überblick
Kunst + Design: Epochen- und Paradigmenwechsel in der Kunst-, Design- und Architekturgeschichte. Künstlertheorien, Avantgardekonzepte und Diskurse des Neuen und der Innovation in Kunst und Design. Bedeutungsproduktion in Kunst und Design zwischen Artefakten und Diskursen. Reflektieren der Übergänge von Praxis zu Theorie und zurück in Kunst und Design, mit Blick auf die Produktion von Bedeutung und Innovation. Kultur + Medien: Die Konstitution neuer Disziplinen am Beispiel der »Cultural and Media Studies«. Mediengeschichte als visuelle Kulturgeschichte des 19. und 20. Jh. und ihr Zusammenhang mit der Medienrevolutionen als Innovationsindikator: Fotografie, 19 Film, TV, Video und Computer. Reflektieren der Bedeutung von Medien als Orte der Repräsentation kultureller Identitäten und der Erscheinungen des »Neuen« und der Innovation in Kunst und Design.

Forschung: Vergleichende Untersuchung der Theorien, Methoden und Praktiken von Forschung in den Natur- und Kulturwissenschaften sowie des sich formierenden Forschungsfeldes in Kunst und Design. Vergleichende Betrachtung der Bedeutung (Konstruktion der Bedeutung) von Kreativität, Kontingenz und Strategie in den Forschungsprozessen der Natur- und Kulturwissenschaften. Transferieren des methodologischen Wissens aus den Natur- und Kulturwissenschaften auf Forschungsprozesse in den Bereichen des Design und der Kunst und umgekehrte Versuchsanordnungen.

Innovation: Grundbegriffe und Konzepte von Innovation und Innovationsforschung. Dynamiken und Strategien der Innovation in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Untersuchung von Kunst und Design als Bereiche gesellschaftlicher Innovation. Management: Einführung in das Kulturmanagement; Kulturmarketing, Projektmanagement und Business Planung für kreativ Arbeitende. Wirtschaftsästhetik: Öffnen der Schnittstelle von Kunst und Wirtschaft durch eine vergleichende Analyse des Wirtschafts- und Kunstsystems. Anwendung künstlerisch/gestalterischer Forschungs- und Repräsentationsmethoden in Wirtschaftsunternehmen, bspw. hinsichtlich des Phänomens »Organisationskultur«.

Kommunikation: Corporate- und Brand-Identity im Design- und Kunstbereich. Kunst und Design als Kommunikationsprozess: Objekte, Texte, Zielgruppen und Medien. Projekt + Transfer: Transfer von Studieninhalten in die künstlerische bzw. berufliche Praxis der Studierenden. Projektfindungsprozess für die Diplomarbeit. Medien des Transfers: Text und Bild Verhältnis, Visual Essay u.a. Präsentationsformen.

Extras
Ergänzend zu den Modulen bietet der Studienpool die Möglichkeit, je nach Zusammensetzung und Interessen der Studiengruppe, diejenigen Inhalte, die von gemeinsamem Interesse sind, vertiefen zu können. Im 4. und 5. Semester werden dann in einem interdisziplinär angelegten Master-Projekt die im Studium erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse mit Bezug auf die eigene Berufspraxis umgesetzt. Es handelt sich hierbei um Projekte, in denen gestalterische, künstlerische/kuratorische Arbeiten - mit Modellcharakter - entweder selbst hergestellt oder als Beispiele herangezogen werden, um forschungs- bzw. innovationsrelevante Methoden/Prozesse zu erproben und (in einem umfangreicheren Text) zu reflektieren.

Im Gegensatz zur deutschen Massenuniversität steht am Studiengang »Design | Art & Innovation« zwei Studierenden durchschnittlich ein Mentor zur Seite. Dieses Betreuungsverhältnis ist luxuriös für die Studierenden, es macht sich jedoch auch in der Höhe der Studiengebühren (circa € 12 000.-) bemerkbar. Bemerkenswert ist ebenfalls, dass die Basler Hochschule ein eigenes Forschungsinstitut unterhält (»Institut Design und Kunstforschung«), mit dem der Studiengang auf dem Gebiet der künstlerischen Forschung zusammenarbeitet.
oben